Das Hauptgericht des alten Neujahrs (Vasilejski Abend): Semiotik und Evolution der "reichen Kuttja"
In der Struktur des festlichen Essens am Vasilejski Abend (Vortag des alten Neujahrs, 13. Januar) nimmt das rituelle Gericht, das unter verschiedenen Namen bekannt ist: "reiche" oder "freigiebige" Kuttja, "Vasilejski Reis", "Kolivo", einen zentralen Platz ein. Dies ist nicht nur ein kulinarisches Gericht, sondern ein komplexer semantischer und ritueller Gegenstand, der die Bedeutung des Festes konzentriert und eine verbindende Kette zwischen dem agrarischen Vergangenheit und modernen Praktiken darstellt. Seine Untersuchung ermöglicht es, die Evolution des Festes von einem magischen Ritual zu einer kulturellen Tradition zu verfolgen.
1. Etymologie und Zusammensetzung: ritueller Minimalismus und symbolische Fülle.
Das Wort "Kuttja" (griech. κουκκί – "Bohne", durch altostslawisch kuty) deutet auf die urtümliche Grundlage – gekochte Körner hin. Ursprünglich könnte dies einfach Weizen, Gerste oder Dinkel gewesen sein, gesüßt mit Honig. Am Vasilejski Abend erhielt die Kuttja ihren Status als "reiche" oder "freigiebige" durch die Zugabe von posten (fastenden) Komponenten, die das Ende des Weihnachtsfastens und das Eintreten der Zeit des Reichtums symbolisierten:
Korn (Weizen, seltener Gerste, Reis): Symbol des Auferstehens, des ewigen Zyklus des Lebens und der Fruchtbarkeit. Gesproßtes Korn – Metapher für das Wiederaufblühen der Sonne nach der Wintersonnenwende. Im Kontext des Neujahrs – ein Wunsch nach "Wachstum" des Glücks im neuen Jahr.
Mak, Nüsse (häufig Walnüsse): Symbole des Reichtums, der Vielfalt und der Fruchtbarkeit. Mak war auch mit dem Reichtum assoziiert ("fällt wie Mak"). Der zerkleinerte Zustand verstärkte den Symbolismus des "Wachstums".
Honig oder Uzvar (Vzvar, Sirup aus getrockneten Früchten): Symbole der Süße, des Glücks, der Güte und des "friedlichen" Lebens. Honig als natürlicher Konservant – auch Symbol der Ewigkeit und Unveränderlichkeit.
Posten-Zugabe ...
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