Arbeitsethik im Islam: theologische Grundlagen, wirtschaftliche Prinzipien und soziale Gerechtigkeit
Die islamische Arbeitsethik ist ein umfassendes System, tief in das religiöse Weltbild integriert. Sie basiert nicht auf der protestantischen Idee der Berufung zur Rettung, sondern auf der Konzeption des Kalifen (des Amtes des Menschen auf Erden) und der Anbetung durch Handeln. Arbeit im Islam ist nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern ein religiöser Pflicht (fard), eine Form der Anbetung ('ibada) und ein Weg zur Erlangung göttlicher Segen (baraka).
Theologisch-philosophische Grundlagen
Arbeit als Anbetung ('ibada). Der Prophet Muhammad sagte: «Der beste Lohn ist der von eigenen Händen». Im islamischen Recht (fiqh) wird ehrlicher Arbeit der Jihad auf dem Weg Allahs (kleiner Jihad — Kampf gegen eigene Schwächen und für das Wohl der Familie) gleichgestellt. Ziel der Arbeit ist nicht nur materieller Reichtum, sondern auch die Erlangung der Zufriedenheit Allahs (rida), die Erhaltung des eigenen Ansehens und die Unabhängigkeit von Almosen.
Die Konzeption des Kalifen (Amtes). Der Mensch ist der Vertreter Allahs auf Erden (Koran, 2:30), berufen, die Welt zu ordnen ('imarat al-ard'). Jegliche kreative Tätigkeit (Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Wissenschaft) wird als Erfüllung dieser anvertrauten Mission betrachtet. Arbeit ist die Realisierung des Amtes (amana), der Verantwortung vor Gott.
Das Streben nach Rizk (Geld). Rizk ist alles, was ein Mensch nutzt: Eigentum, Wissen, Gesundheit. Der Islam ermutigt das aktive Streben nach dem erlaubten Rizk (halaal rizk). Passivität und Tünejad (Arbeitslosigkeit) werden verurteilt. Der Hadith besagt: «Die Suche nach erlaubtem [Vermögen] — eine Pflicht nach der [obligatorischen] Gebet.
Ausgewogenheit von irdlichem und geistlichem. Im Gegensatz zum extremen Asketismus verlangt der Islam nicht den Verzicht auf die irdischen Güter, die Allah gewährt, warnt jedoch davor, dass sie zur Selbstzweck werden. Arbeit muss mit geist ...
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