Heiligenstadt heute: Politik, Pilgerfahrt und Alltag im heiligen Stadt
Der moderne Bethlehem (arabisch Bayt-Lahm), gelegen 8 km südlich von Jerusalem, ist ein einzigartiges und komplexes Geflecht aus heiliger Geschichte, politischen Realitäten und kulturellem Austausch. Sein Status und der tägliche Leben werden durch drei Schlüsselfaktoren bestimmt: seiner Lage im palästinensischen Autonomiegebiet, dem ununterbrochenen Strom von Pilgern und Touristen sowie seiner christlich-muslimischen Bevölkerung.
Politisch-administrativer Status
Gemäß den Osloer Abkommen (1995) befindet sich Bethlehem in der Zone A, die unter vollständiger administrativer und militärischer Kontrolle der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA) steht. Dies bedeutet, dass die Stadt offiziell von der palästinensischen Stadtverwaltung verwaltet wird. Allerdings erschwert seine geografische Lage das Zugangssystem. Um nach Bethlehem von Jerusalem aus zu gelangen, muss der israelische Trennzaun (Mauer) aus den frühen 2000er Jahren überquert werden. Der Kontrollpunkt (KP) «300» («KP Bethlehem») reguliert das Menschenverkehr. Für die meisten ausländischen Touristen und Pilger ist der Übergang formell einfach, aber für die lokalen Bewohner verbunden mit Genehmigungen und Kontrollen, was Teil der täglichen Schwierigkeiten der Besetzung ist. Diese Mauer trennt den Stadt nicht nur physisch von Jerusalem, sondern betont auch symbolisch seine Isolation.
Demografie und soziale Struktur
Ein interessanter und besorgniserregender demografischer Fakt: Wenn Christen in der Mitte des 20. Jahrhunderts etwa 85% der Bevölkerung von Bethlehem ausmachten, so beträgt ihr Anteil heute nach verschiedenen Schätzungen etwa 12-20%. Dies ist auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen: einen höheren Emigrationsgrad der Christen auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten im Ausland (in Lateinamerika, Europa, USA), einen höheren natürlichen Bevölkerungswachstum des muslimischen Bevölkerungsanteils sowie die allgeme ...
Читать далее