Prozess gegen Tiere: Von der mittelalterlichen Jurisprudenz bis zu den modernen bioethischen Dilemmata
Einleitung: Recht als Reflexion der anthropozentrischen Weltanschauung
Der Prozess gegen Tiere ist einer der seltsamsten und gleichzeitig tief bedeutsamsten Phänomene in der Geschichte des Rechts. Diese Praxis, die von der XIII. bis zur XVIII. Jahrhundert in Europa prosperierte, war weder Absurd noch Ausdruck eines Massenwahnsinns. Es war eine logische Verfahrensweise in ihrer Paradigma, die aus einem theozentrischen Weltbild erwuchs, in dem die ganze Welt als hierarchische Systeme verstanden wurde, die göttlichen Gesetzen unterworfen sind. Das Tier, das den sozialen Orden verletzt hatte (eine Person getötet, den Ernte verunreinigt), wurde nicht als Naturkatastrophe, sondern als absichtsvoller Agent betrachtet, der moralische Schuld trägt. Moderne «Prozesse» gegen Tiere sind jedoch oft Metapher oder medienische Prozesse, die nicht mehr theologische, sondern ökologische und bioethische Bedenken der Gesellschaft widerspiegeln.
Teil 1: Prozesse im Mittelalter und der Neuzeit — strenge Verfahrensweise
Die Praxis war hauptsächlich in Frankreich, der Schweiz, Deutschland und Italien verbreitet. Die Prozesse wurden in weltliche (zivil- oder strafrechtliche) und kirchliche (inkvizitorische) Prozesse unterteilt. Tiere wurden mit allen Formalitäten verurteilt: mit der Ernennung eines Anwalts (oft auf Kosten des Staates), der Einladung von Zeugen, der Führung eines Protokolls und der Verkündigung eines Urteils.
Typologie der Fälle:
Strafprozesse gegen häusliche Tiere. Am häufigsten wurden Schweine wegen Mordes oder Tötungshandlungen gegen Kinder verurteilt. Schweine, die in den städtischen Städten des Mittelalters halbwild waren, waren häufig Ursache von Vorfällen.
Beispiel: Das bekannteste Fall ist der Prozess gegen das Schwein in Falaise (Normandie, 1386). Das Schwein, das das Gesicht und die Hand eines Babys zerrissen hatte, wurde für Mord verantwortlich gemacht, in mensch ...
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