Das Manifest von Russell – Einstein: Ein Aufruf der Vernunft an die Menschheit am Beginn des Atomzeitalters
Einleitung: Die Entstehung des Dokuments in der Ära des thermonuklearen Schocks
Das Manifest von Russell – Einstein wurde am 9. Juli 1955 in London veröffentlicht. Es war nicht nur ein weiterer antimilitaristischer Pamphlet, sondern ein historischer Akt moralischer Verantwortung der Wissenschaftsgemeinschaft, initiiert von zwei der größten Köpfe des 20. Jahrhunderts: dem Philosophen und Pazifisten Bertrand Russell und dem theoretischen Physiker Albert Einstein (der es wenige Tage vor seinem Tod am 18. April 1955 unterzeichnete). Das Manifest erschien zu einer Zeit, als die Welt sich kaum von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs erholt hatte und mit einer neuen, beispiellosen Bedrohung konfrontiert war – der Entwicklung der Wasserstoffbombe, deren Sprengkraft tausendfach die der auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Bomben überstieg. Die ersten Tests thermonuklearer Geräte der USA („Ivy Mike“, 1952) und der UdSSR (RDS-6s, 1953) machten die Bedrohung gegenseitiger Vernichtung zu einer wissenschaftlich begründeten Realität.
Inhalt und philosophischer Kern: Der Appell an die Menschheit als Spezies
Der Text des Manifests ist kurz, aber unglaublich gehaltvoll. Seine Kernthesen:
Erklärung im Namen der Wissenschaft: Die Unterzeichner (11 weltweit bekannte Wissenschaftler, darunter Frédéric Joliot-Curie, Percy Bridgman, Max Born) traten nicht als Politiker oder Bürger einzelner Staaten auf, sondern als Vertreter der Wissenschaft, deren Entdeckungen die Bedrohung geschaffen hatten. Dies verlieh dem Dokument besonderes Gewicht.
Apokalyptische Warnung: Im Dokument heißt es: „Wir müssen lernen, neu zu denken. Wir müssen lernen, uns nicht zu fragen, welche Schritte unternommen werden sollten, um den militärischen Sieg der Gruppe zu erreichen, der wir angehören, denn solche Schritte gibt es nicht mehr; wir müssen uns die Frage stellen: Welche Schritte sind zu unternehmen, ...
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