Tanzalgorithmus im 21. Jahrhundert: Von einem Werkzeug des Choreografen zum Mitautor und Kritiker
Das Konzept des «Tanzalgoritmus» hat sich im 21. Jahrhundert von einer Metapher (strenge Abfolge von Pausen im klassischen Ballett) bis zur tatsächlichen Nutzung computergestützter Algorithmen zur Erstellung, Analyse und Aufführung von Choreografien entwickelt. Dies hat eine neue interdisziplinäre Disziplin an der Schnittstelle von Performance, Mathematik und künstlicher Intelligenz hervorgebracht, wo der Code nicht nur ein Werkzeug, sondern auch ein Mitautor und das Körper des Tänzers ein Interface zwischen dem digitalen und physischen wird.
1. Algorithmus als Generierungsinstrument: Erstellung neuer Choreografien
Moderna Choreografen nutzen algorithmische Systeme, um kreativen Stillstand zu überwinden, nicht offensichtliche Muster zu finden und ihr kompositorisches Sprachrepertoire zu erweitern.
Generative Choreografie: Choreografen, wie Wayne McGregor (Firma Random Dance), nutzen Software (z.B. DanceForms oder benutzerdefinierte Algorithmen), in die Parameter des Körpers, grundlegende Bewegungen und Regeln ihrer Kombination eingefügt werden. Der Algorithmus generiert Tausende von Varianten, aus denen der Choreograf die interessantesten auswählt. Dies verschiebt seine Rolle von «Erfinder» zu «Kurator», der mit einem Massiv von Daten arbeitet, die von der Maschine erstellt wurden.
Stochastische und fraktale Modelle: Algorithmen, die auf der Chaos-Theorie, natürlichen Prozessen (Wachstum von Pflanzen, Schwarmverhalten) oder mathematischen Fraktalen basieren, erstellen komplexe, selbstorganisierte Kompositionen. Die Inszenierung «Agentur einsamer Herzen» von Troika Rumpf verwendet Algorithmen, die das Verhalten der Menge simulieren, wo jeder Tänzer nach einfachen lokalen Regeln handelt, was zu einem globalen, unvorhersehbaren Ordnung führt.
Beispiel: Projekt «Living Archive» von Akram Khan. Hier analysieren Algorithmen des maschinellen Lernens archivische Aufzeichnungen ...
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