Gerüche des Weihnachtsfestes in der Literatur: vom sensorischen Code zur Metaphysik
Der Geruch in der Weihnachtsliteratur ist nicht nur eine atmosphärische Detail, sondern ein mächtiger sensorischer Code, der in der Lage ist, ganze Welten in Erinnerung zu rufen, archetypische Assoziationen zu aktivieren und die metaphysische Essenz des Festes zu übermitteln. Das Riechen, das als ältestes und emotionalsterfuhrendstes Gefühl ist, wird zu einem Werkzeug der Schriftsteller, um den «weihnachtlichen Chronotop» zu schaffen — ein Raum-Zeit, das mit Erinnerung, Nostalgie und sakraler Bedeutung gefüllt ist.
1. Der Geruch als Führe in die Kindheit und den nostalgischen Paradies
Die am weitesten verbreitete Funktion der Weihnachtsgerüche ist es, der Schlüssel zu persönlicher und kollektiver Erinnerung zu sein, den Held (und den Leser) in einen Zustand der Unschuld und Ganzheit zurückzuführen.
Iwan Schmeljow, «Sommer des Herrn»: Hier wird eine ganze «geruchliche Liturgie» des Festes geschaffen. Die Gerüche bilden einen komplexen Akkord: «Du riechst nach geschliffenen Böden, Wachs, Tanne… nach Tannennadelöl, Weihrauch, Honig und noch etwas… festlichem». Das ist nicht nur eine Liste — das ist eine Symphonie der Heiligkeit und des häuslichen Komforts. Der Geruch des Tannennadelöls (der Tanne) und des Weihrauchs verbindet den irdischen Fest mit dem kirchlichen Geheimnis, der Honig erinnert an die Süße und Freude des bevorstehenden Reiches. Für Schmeljow ist der Geruch der Weg zur Wiederbelebung der verlorenen vorrevolutionären Russland, ihres ganzheitlichen orthodoxen Lebensstils.
Dylan Thomas, «Weihnachtsferien» («A Child's Christmas in Wales»): In diesem poetischen Erinnerungsbild schaffen die Gerüche ein Gefühl einer magischen, leicht verschwommenen Kindheitserfahrung: «Der Geruch des kalten Meeres und alter, nasser Schurwollhandschuhe… der Geruch von gebratenem Gänsebraten und Schinken… und des Rauchs der Vaters Zigarren». Die Gerüche sind hier nicht heilig, aber unendlich kostb ...
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