Hel & Weihnachten: die dunkle Seite des Wunders
Die Verbindung zwischen dem Höllenfeuer und Weihnachten scheint auf den ersten Blick ein profanes Oxymoron zu sein. Allerdings zeigt diese Paarung in der Mythologie, Folklore und insbesondere in Literatur und Film eine tiefere dialektische Verbindung. Weihnachten ist eine Zeit der maximalen Spannung zwischen den Polen: der Geburt des Retters und der Aktivierung der Kräfte, denen er entgegensteht; allgemeiner Barmherzigkeit und verschärfter individueller Sünde; Idylle des häuslichen Feuers und existenzieller Kälte der Einsamkeit. Die Hölle im Weihnachtskontext ist nicht nur ein Ort postmortalen Leidens, sondern auch eine Seele, eine soziale Realität und die unvermeidliche Schatten des Wunders selbst.
Mythologische und volkstümliche Wurzeln: verlassene Grenzen
În den europäischen Volksbräuchen galt die Zeit der Heiligen Drei Könige (von Weihnachten bis zur Taufe) als eine Zeit, in der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten, zwischen Himmel und Hölle, dünn wird. Dies betraf nicht nur die Seelen der Ahnen, sondern auch die unheiligen Mächte.
«Die wilde Jagd»: In vielen Kulturen (deutsch, skandinavisch, slawisch) fliegt genau in den Winternächten, die dem Sommersonnenwende und Weihnachten nahe sind, eine schimmernde Kavalkade von Sündern oder Kriegern durch den Himmel, angeführt von demonischen Gestalten (Odin, Heln, Perun). Weihnachten ist daher auch eine Zeit, in der die Hölle nach außen «ausgeatmet» wird, ihre Macht vor dem geborenen Retter zur Schau stellend.
Krampe und seine Ähnlichen: Der alpine Krampe, der hornige Begleiter und Antipode des heiligen Nikolaus, ist ein klassisches Beispiel für eine höllische Figur, die in den Weihnachtsritus integriert ist. Er bestraft unbotmäßige Kinder, während Nikolaus gute Kinder belohnt. Sein Erscheinen am 5. oder 6. Dezember ist ein buchstäbliches Eindringen des strafenden, «höllischen» Elements in den Raum des Festes, eine Erinnerung an Vergeltung.
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