Denkmal des Heiligen Nikolaus in der Türkei: Zwischen historischer Heimat, Tourismusmarke und interkonfessionellem Dialog
Einführung: Paradox der Erinnerung in der historischen Heimat
Für die Türkei, ein säkulares Land mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung, stellt die Figur des Heiligen Nikolaus von Myra (Nikolaus von Myra) ein einzigartiges und vielschichtiges Phänomen der historischen Erinnerung dar. Einerseits ist er ein christlicher Heiliger, der hauptsächlich in Kulturen verehrt wird, die historisch in komplexen, oft konfliktbehafteten Beziehungen zur Osmanischen Türkei standen (Byzanz, Russland, Italien). Andererseits ist er Teil des lokalen historischen Erbes Anatoliens, ein Objekt der staatlichen Verwaltung im Bereich der Kultur und des Tourismus sowie ein potenzieller Brücke für interreligiösen Dialog. Die Erinnerung an ihn in der modernen Türkei existiert in einem komplexen Gleichgewicht zwischen Vergessen, Gedenken und Kommerzialisierung.
1. Historische Lokation: Lykische Märkte (Demre/Kale)
Die Stadt Myra (heute Demre, Bezirk Kale in der Provinz Antalya) war der Sitz der Bischöflichen Kathedrale des Heiligen Nikolaus und Ort seiner Bestattung. Von hier wurden die Reliquien 1087 in geheimer Weise von byzantinischen Seefahrern ausgeführt. Dieses Ereignis bestimmte die Zweiseitigkeit der türkischen Erinnerung: Für den christlichen Welt für Demre eine verloren gegangene Reliquie, ein Ort des «Raubes»; für die türkische historische Wissenschaft und Kulturpolitik ein archäologischer Denkmalsort und Zeugnis des antiken kulturellen Schichtes Anatoliens.
Die Nikolauskirche in Demre: Dies ist der Hauptmaterialträger der Erinnerung. Die Kirche, die hauptsächlich im 8. Jahrhundert auf dem Grund eines älteren Tempels aus dem 4. Jahrhundert erbaut wurde, in dem der Heilige diente, ist heute ein Museum (Antalya Müzesi, Demre Noel Baba Kilisesi). Dieser Status bestimmt ihre Funktion: Es ist kein aktiver Tempel (obwohl gelegentlich Gottesdienste erlaubt werden), ...
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