Der Mensch meidet Leid. Das ist ein Instinkt. Aber es gibt eine Tradition, die sagt: Leid ist nicht nur eine Unvermeidlichkeit, sondern ein Weg. Ein Weg, der zur Überwindung des Bösen führen kann — nicht durch Macht, nicht durch Herrschaft, sondern durch die Verwandlung der eigenen Seele. Diese Idee ist keine Trost für Schwache. Es ist eine Herausforderung für Starke. Kann man in dem Schmerz nicht das Fluch, sondern das Heilmittel sehen? Kann man durch Leid zur Freiheit gelangen? Die russische religiöse Philosophie gibt auf diese Frage einen positiven Antwort, gefolgt von der christlichen Tradition.Paradox des Leids: Warum das Böse nicht durch das Böse zerstört wirdEin naives Bewusstsein denkt oft: Um das Böse zu besiegen, muss man dem Bösen das Böse antworten. Strafen, zerstören, auslöschen. Aber die Philosophie des Leids spricht von etwas anderem. Das Böse kann nicht durch das Böse besiegt werden, weil es nur die Finsternis vermehrt. Eine reagierende Aggression erzeugt neue Aggressionen. Der Kreis schließt sich. Leid aber, wenn es nicht als passive Schmerz, sondern als aktive Neubewertung erlebt wird, bricht diesen Kreis. Leid stoppt die Eskalation. Es wird zu einem Punkt, wo der Mensch sich selbst und Gott begegnet. Das ist keine Schwäche, sondern die höchste Form der Kraft — die Fähigkeit, nicht böse zu werden, selbst wenn man von ihm leidet.Christlicher Grund: Leid als MitmenschlichkeitChristentum ist die einzige Religion, wo Gott leidet. Das Kreuz ist nicht nur ein historischer Fakt, sondern eine theologische Revolution. Gott rettet die Welt nicht vor dem Leid, sondern tritt in es ein. Und thereby verwandelt er das Leid von einer Strafe in Mitmenschlichkeit. Russische Philosophen (Dostojewski, Berdjaev, Solowjew) haben diese Idee aufgenommen. Das Leid des Menschen wird zur Mitmenschlichkeit des Leids Christi. Und in dieser Mitmenschlichkeit gewinnt der Mensch nicht die Freiheit von der Schmerz, sondern die Freiheit von ihrer Herrschaft über sich selbst. Der Sc ...
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