Die Taufe in Werken russischer Dichter des "Silbernen Zeitalters": von Ritual zu Symbol
Einführung: Der religiöse Symbol in der Ära der religiösen Suche
Das Thema der Taufe (Epiphanie) in der Dichtung des "Silbernen Zeitalters" (Wende des 19. bis 20. Jahrhunderts) verliert seine rein konfessionelle Bedeutung und wird zu einem mächtigen, vielschichtigen kulturellen und philosophischen Symbol. Dies war eine Zeit intensiver geistlicher Suche, des Synkretismus von Christentum und Heidentum, Mystik und Ästhetik. Der Taufritual, das Erscheinen Christi dem Volk und die Reinigung durch Wasser wurden für die modernistischen Dichter zu Metaphern für die zentralen Ideen der Epoche: des kreativen Wandels, der geistigen Metamorphose, der Begegnung mit dem Jenseits und des tragischen Bruchs der Epoche.
Alexander Blok: Die Taufe als Vorahnung der Katastrophe und ReinigungFür Alexander Blok, die zentrale Figur der Epoche, ist das Thema der Taufe tief persönlich und eschatologisch. In seiner Welt ist das Ritual frei von alltäglicher Gemütlichkeit; es ist eine Mysterie am Rande des Apokalypse.
«Werboschen» (1906): Zunächst scheint dies ein helles, fast volkstümliches Bild der Vorbereitung auf den Festtag zu sein. Doch im Schlussbild taucht eine beunruhigende, prophetische Gestalt auf: «Morgen werde ich die Erste / Für den heiligen Tag / … / Schauen, wie die Sonne aufsteigt, / Die Himmel im Abgrund ertrinken». «Der Abgrund des Himmels» ist sowohl die kрещенская прорубь (иордань), als auch eine Metapher für den bevorstehenden historischen Bruch. Die Taufe hier ist ein Übergangspunkt, wo die Freude des Rituals an den mystischen Schrecken grenzt.
Der Zyklus «Schrecklicher Welt» und die späte Lyrik: Der Bild des kрещенского Kältes und Eises wird bei Blok zu einem Symbol der geistigen Verhärtung, der «Unbeweglichkeit», die ihn im «schrecklichen Welt» festhielt. In dem Gedicht «An die Muse» gibt es Zeilen: «Und so zieht sie mit Kraft, / Dass ich bereit bin, für das Gerücht zu behaupten, / D ...
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