Der Weihnachtstisch bei Ivan Schmelj: die sakrale Mahlzeit als Verkörperung des «Sommers des Herrn»
In Iwan Schmelj’s Buch «Sommer des Herrn» (1933-1948) ist der Weihnachtstisch nicht nur eine üppige Feier, sondern ein komplexer religiös-kultureller Kosmos, eine materielle Verkörperung des liturgischen Jahres, der familiären Erinnerung und der volkstümlichen Eschatologie. Durch die Beschreibung des Tisches erschafft Schmelj eine umfassende Welt des vorrevolutionären orthodoxen Lebens, in der jedes Gericht nicht nur Nahrung, sondern Symbol, Zeichen, Teil eines heiligen Ritus ist. Der Tisch wird zum Altar, auf dem der Fest der Verkörperung stattfindet, zugänglich für Geschmack, Geruch und Sehen.
Sakrale Geographie und Symbolik der Gerichte
Die Vorbereitung und das eigentliche Festmahl sind nach strengen Gesetzen aufgebaut, bei denen alles Bedeutung hat.
Heiliger Abend (24. Dezember / 6. Januar) — Mahlzeit der Erwartung.Hauptgericht — Kuttia (Küche):
Zusammensetzung: Brühe (Kompott) aus getrockneten Früchten und Beeren, in die gerührte Weizenkörner, Honig, Kichererbsen und Nüsse gegeben werden.
Symbolik: Körner — Auferstehung und ewiges Leben (wie ein Korn, ins Erdreich geworfen). Honig — Süße und Freude des Himmelreichs. Kichererbsen und Nüsse — Reichtum und Glück. Dies ist eine posthume, aber sättigende Nahrung, die Leib und Geist auf den Festtag vorbereitet. «Bis zur ersten Sternscheinung» darf nicht gegessen werden — dies ist eine Erinnerung an die Weihnachtsstern von Bethlehem, und die gemeinsame Mahlzeit nach ihrer Erscheinung ist ein Akt des kollektiven Wartens und der Begegnung.
Der Weihnachtspunsch — der Festmahl der Verkörperung. Nach der nächtlichen Liturgie beginnt die Zeit des Fastenbruchs, und der Tisch verwandelt sich. Dies ist kein Fasten mehr, sondern ein Fest der Fleischlichkeit, erlaubt durch Gott, da Christus das menschliche Leibes genommen hat.
Gebackenes Schwein/Schwein/Huhn: Der Mittelpunkt des Tisches. «Der Poroschek rötet mit Senf, mit Kuttia p ...
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