Die Schaffung des Bildes des Arbeitswahnsinns in der Literatur: vom romantischen Helden zur Opfer der Gesellschaft In der Literatur hat das Bild des Menschen, der von der Arbeit besessen ist, einen langen und windigen Weg zurückgelegt. Vom fast biblischen Fluch «du sollst vom Schweiß deines Angesichts Brot essen» bis zum romantischen Glanz des Schöpfers, von der tragischen Figur, die am Dienst verbrennt, bis zum ironischen Porträt des Büroleiters, dessen Leben von Deadlines und der Unternehmensethik beherrscht wird. Die Literatur war immer ein Spiegel, in dem die Gesellschaft ihre Ängste und Ideale betrachtete. Und die Haltung zum Arbeitswahnsinn ist letztlich eine Haltung zur Idee der Arbeit, zu ihrem Sinn, ihrem Wert und ihren Grenzen. Wie hat sich dieses Bild verändert und was sagt es uns heute? Vom biblischen Fluch zur protestantischen Ethik Über viele Jahrhunderte wurde die Arbeit als Strafe wahrgenommen. Der biblische Stoff vom Ausgang aus dem Paradies festigte die Idee, dass arbeiten bedeutet, Sünde zu büßen. In der mittelalterlichen Literatur ist der arbeitsame Held oft ein Mönch oder Handwerker, dessen Arbeit eine Dienstleistung an Gott ist und nicht ein Selbstzweck. Das wahre Berufung ist das Gebet und die Kontemplation, nicht die sorglose Tätigkeit. Doch mit dem Erscheinen der Neuzeit, insbesondere nach der Reformation, ändert sich das Verhältnis zum Arbeit grundlegend. Die protestantische Ethik, gepriesen von Max Weber, erklärt die Arbeit nicht als Fluch, sondern als Berufung, eine Form des Dienstes an Gott. Und die Literatur beginnt allmählich, den neuen Helden zu erkunden — den Menschen, für den die Arbeit der Sinn des Lebens wird. In den Romanen des 18. Jahrhunderts sehen wir Kaufleute und Unternehmer, deren Besessenheit vom Geschäft nicht verurteilt, sondern vielmehr als Bewunderung betrachtet wird. Defoe, Swift und dann Balzac schaffen Bilder von Menschen, die ihr Glück ausschließlich durch unermüdlichen Arbeit aufbauen. Ihr Arbeitswahnsinn ist ...
Читать далее