Bild des Fuchses in Literatur und Kino: vom Triksterarchetyp zum existentiellen Helden
Das Bild des Fuchses, eines der bekanntesten Tiere in der Kultur, besitzt eine außergewöhnliche semiotische Vielschichtigkeit. In Literatur und Kino ist er selten neutral, fast immer als Symbol auftretend, Träger bestimmter archetypischer oder sozialer Bedeutungen. Seine Evolution von folkloristischen Trikstern zu komplexen existentiellen Charakteren spiegelt die Veränderung kultureller Codes und philosophischer Anforderungen der Gesellschaft wider.
Archetypisches Kern: Trikster und Plut
Die Grundlage der meisten Interpretationen ist der älteste Triksterarchetyp (Plut, Betrüger), der in die Mythologie und das Folklore der ganzen Welt zurückreicht.
Mythologie und Fabel: In den antiken Fabeln von Esop und später von La Fontaine ist die Füchsin das Inkarnationswesen von List, Listigkeit und praktischem Verstand, das die rohe Kraft besiegt (wie in der Fabel «Der Eichhörnchen und die Füchsin»). Hier ist sie ein ambivalenter Held: Ihre Listigkeit wird vom Moralisten verurteilt, aber dem Leser durch ihre Effektivität bewundert.
Mittelalterlicher Epos: «Der Roman von der Füchsin» (Roman de Renart, XII-XIII Jahrhundert) — ein Schlüsseltext, in dem der Fuchs Renar (französisch Renard, von dem in einer Reihe von Sprachen der Name des Tieres abgeleitet wurde, der das lateinische vulpes verdrängte) zum Hauptcharakter eines parodistischen Epos wird. Er macht sich über die feudale Hierarchie lustig, täuscht den König-Löwen Nobile, den Wolf Isengrin und andere «Starke der Welt» aus. Renar ist nicht nur ein Listiger, sondern ein Symbol der bourgeoisen Listigkeit, die die Grundlagen des aristokratischen Gesellschafts aufzubrechen versucht, und Träger des karnevalistischen, die Welt umkehrenden Beginns.
Literarische Entwicklung: von der Allegorie zur Psychologie
Mit der Komplexität der Literatur wurde auch das Bild des Fuchses komplexer, es ging über die Allegorie hinaus.
«Der kleine Prinz» v ...
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