Das Konzept der „digitalen Schatten“: zwischen aktiven Spuren und passiven Abdrücken
Begriffserklärung und Abgrenzung
Die „digitale Schatten“ (digital shadow) sind die Gesamtheit aller digitalen Daten, die direkt oder indirekt mit einer Person in Verbindung stehen, die sie nicht absichtlich erstellt und nicht direkt kontrolliert hat. Dies unterscheidet sich von dem „digitalen Fußabdruck“ (digital footprint), der sowohl passive als auch aktive Daten umfasst – bewusst von den Nutzern hinterlassene Handlungen (Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken, Kommentare, gesendete Nachrichten). Die digitale Schatten bilden sich außerhalb unseres Willens: Dies sind Daten von Überwachungskameras, Bank- und Geschäftstransaktionen, Metadaten von Anrufen und Bewegungen, Protokolle von Website-Aktivitäten, Informationen von intelligenten Geräten und vieles mehr. Im Grunde ist es ein versteckter digitaler Profil, der oft präziser unsere Gewohnheiten und Vorlieben widerspiegelt als die bewusst konstruierte Online-Persönlichkeit.
Interessanter Fakt: Laut einer Studie der Weltbank wird der tägliche Datenverkehr in der Welt im Jahr 2025 auf 463 Exabytes erreichen. Bis zu 80% dieser Daten werden unstrukturierte Informationen sein, einschließlich dieser passiven digitalen Schatten. Zum Vergleich: Die gesamte Information, die 2008 in der Welt gespeichert war, betrug etwa 500 Exabytes.
Architektur der Schatten: Was bildet sie?
Die digitale Schatten bestehen aus mehreren miteinander verbundenen Schichten:
Verwaltungsfinanzieller Schicht: Daten von staatlichen Registern, Steuerhistorie, Kreditratings, Kaufhistorie (insbesondere über Bankkarten), Versicherungsdaten.
Verhaltensschicht: Protokolle von Website- und App-Besuchen (Cookies, Suchverlauf), Bewegungsprofile (GPS-Daten von Smartphones, Taxifahrten), Metadaten von Kommunikation (wer, wann, wem angerufen, Dauer des Anrufs).
Sensorische Schicht: Daten von IoT-Geräten – intelligente Energiezähler, Fitness-Tracker, Haushaltsassistenten, inte ...
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