Schulzeugnisse und Zertifikate als Instrument des geschlechtlichen Ungleichgewichts: Verborgene Botschaften und institutionelle Ausgrenzung der Väter
Einführung: Symbolische Gewalt durch das Belohnungssystem
Interne Schulzeugnisse, Dankeskarten und Zertifikate, als formelle Anerkennungsakte, sind ein mächtiges Instrument der symbolischen Politik (Pierre Bourdieu). Sie fixieren nicht nur Verdienste, sondern konstruieren auch das öffentliche Bild des «idealen Teilnehmers» des Bildungsprozesses, indem sie Normen und Erwartungen setzen. Wenn diese Auszeichnungen systematisch an Mütter vergeben werden oder in geschlechtsbezogener Sprache formuliert sind, verlieren sie ihre Neutralität und werden zu einem Mechanismus der Reproduktion und Legitimierung der institutionellen «Fehlbarkeit», die Väter sanft aber nachdrücklich aus dem Schulalltag ausschließt.
Arbeitsweise: Wie Zeugnisse eine Ausschlusspolitik betreiben
Die Konstruktion des «richtigen» geschlechtsspezifischen Bildes des Verdienstes:
Nominierungen und Formulierungen: Die meisten Nominierungen («Für aktives Mitwirken im Klassenleben», «Für großen Beitrag zur Erziehung», «Die freundlichste und hilfsbereitesteste») zielen implizit auf stereotypisch «weibliche» Tugenden ab: emotionaler Arbeit, Sorge, Organisation des täglichen Lebens in der Schule. Es gibt keine oder nur selten Nominierungen, die mit expertischer, projektbezogener, technologischer oder organisatorisch-strategischer Hilfe in Verbindung stehen, bei denen Männer im kollektiven Bewusstsein stärker präsent sind («Für Entwicklung der materiellen und technischen Infrastruktur», «Für expertischen Beitrag zur Projektarbeit», «Für Entwicklung der IT-Infrastruktur der Klasse»).
Indirekte Botschaft: Kind und Lehrerkollegium sehen, dass nur bestimmte, geschlechtsspezifische Typen der Teilnahme öffentlich geschätzt und sichtbar gemacht werden.
Zyklizität und Öffentlichkeit der Auszeichnungen:
Verknüpfung mit «weiblichen» Feiertagen: Die feierliche Verleihung von Z ...
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