«Danke». Einfaches Wort. Für einige aber wird es schwerer als eine Hantel. Sie können es sich nicht ausdrücken. «Bitte» bleibt im Hals hängen. «Entschuldigung» erzeugt panische Kälte. Das ist keine Unhöflichkeit oder Unbildung. Das ist die Angst vor höflichen Worten. Eine wahre Phobie mit ihren Ursachen und Konsequenzen. Warum fürchten sich Menschen, zu danken, sich zu entschuldigen und zu grüßen? Und wie damit umgehen? Was ist die Angst vor höflichen Worten Dieses Phänomen hat keinen offiziellen medizinischen Namen, aber seine Symptome sind vielen bekannt: ein beschleunigtes Herzschlag vor dem Sagen von «Hallo» zu einem Fremden; die Angst, dass «Bitte» als aufdringlich klingt; das Gefühl, dass «Danke» einen verpflichtet. Die Person vermeidet Situationen, in denen Höflichkeit erforderlich ist: sie geht nicht in Geschäfte, wo sie dem Verkäufer danken müssen; sie ruft in Servicezentren nicht an; sie überspringt ihre Reihe in der Arztpraxis, nur um nicht «Entschuldigung» sagen zu müssen. Das ist keine Soziopathie, sondern eine hypertrophierte Empfindlichkeit gegenüber sozialen Ritualen. Psychologische Ursachen Der erste Grund ist die Angst vor Abhängigkeit. «Danke» ist ein Geständnis, dass einem geholfen wurde. Für einen hyperautonomen Menschen ist das unträglich. Er denkt, dass er alles selbst tun muss, und fremde Hilfe ist ein Schlag für das Selbstbewusstsein. Der zweite Grund ist die Angst vor Ablehnung. Vielleicht wird auf «Bitte» eine Grobheit geantwortet? Vielleicht wird «Entschuldigung» nicht akzeptiert? Besser kein Risiko eingehen. Der dritte ist Perfektionismus. Die Person fürchtet, dass ihre Höflichkeit nicht genug aufrichtig, falsch intoniert sein wird und sie werden sich über sie lustig machen. Der vierte ist eine Kindheitstrauma: In der Familie wurden höfliche Worte als Manipulation verwendet («sag danke, sonst…») oder gehänselt («wie höflich du bist, direkt ein Lord»). Kultureller Kontext In einigen Kulturen wird Höflichkeit als Schwäche angeseh ...
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