— Hallo, Rose. Du bist heute besonders schön. Wie schaffst du es, diesen königlichen Anblick zu bewahren, wenn um dich so viele Unkraut und Hektik ist? — … — Ich komme oft zu dir, wenn mir schlecht ist. Ich weiß nicht, ob du mich hörst. Aber deine Blätter, dein Stängel, deine Dornen — sie sind wie eine Fabel, die man unendlich entdecken kann. Schau, wie ich auf deinen Knospe schaue. Sie ist noch geschlossen, aber man spürt schon — innen entsteht ein Wunder. — Denkst du, ich weiß nicht, was Angst ist? — antwortet mir die Stille. — Schau auf meine Dornen. Das ist meine Verteidigung. Aber jeden Tag riskiere ich, mich zu öffnen, damit jemand oder etwas meine Herzenswahrheit berühren kann. — Ja, Dornen... Ich habe auch meine eigenen aus Eifersucht und Verrat gewachsen. Aber sie helfen nicht, sie vergraulen nur. Wie kannst du dich öffnen? — Ich vertraue auf die Sonne. Und die Morgentau. Und den Wind. Manchmal kommt der Gärtner und schneidet mich ab. Aber selbst dann freue ich mich über den, der mich in den Händen hält. Die Angst verschwindet, wenn man versteht: deine Schönheit ist nicht nur für dich selbst. Sie ist, um zu teilen. — Es ist schwer, sich zu teilen, wenn innen eine Leere ist. — Und schau in deinen Wurzel. Erinnerst du dich, woher du kommst? Aus dem Boden, der nach Regen duftet. Aus dem Samen, der sich vor der Dunkelheit nicht fürchten musste, um zum Licht zu gelangen. Du wuchst. Du stehst. Das ist doch ein Grund zur Freude? — Ich vergleiche mich oft mit anderen Rosen. Die haben größere Blätter, einen bunteren Farbton. Und bei mir… — Bei dir ist ein einzigartiger Farbton. Es gibt keine zwei gleichen Rosen. Und es gibt keine «richtige» Rose. Es gibt nur deine. Schau auf deine Blätter. Selbst mit Spinnweben, selbst mit einer Tropfen Regens, der schwer wie eine Träne ist. Du bist. Und das ist ein Wunder. — Aber was soll ich mit den Dornen anfangen? Sie verletzen diejenigen, die sich nähern möchten. — Dornen sind Grenzen. Nicht jeder verdient deine Tiefe. Aber wen ...
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