Gebräuche in der Schuldhaft in Marshalsea nach Dickens: soziale Anatomie des Mikrokosmos viktorianischer England
Einführung: Das Gefängnis als sozialer Institution und literarische Laboratorium
Das Gefängnis für Schuldner Marshalsea (The Marshalsea Prison) im Londoner Southwark, beschrieben von Charles Dickens vor allem in dem Roman "Little Dorrit" (1855-1857), erscheint nicht nur als Ort der Haft, sondern als vollständige Modell des viktorianischen Gesellschafts mit seiner Hierarchie, Ökonomie, Moral und Pathologien. Dickens, whose father John Dickens mehrere Monate in Marshalsea verbrachte, 1824, kannte ihre Gebräuche nicht von hörensagen. Sein Beschreiben ist nicht ein photographischer Bericht, sondern ein genialer soziologischer Analyse, der in künstlerische Form gekleidet ist und enthüllt, wie der Institution der Schuldhaft menschliche Beziehungen deformierte und eine verfremdete Version des "Gefängnisses der Gesellschaft" schuf.
1. Hierarchie und soziale Stratifikation: "Adelige" und "Schwarm"
Marshalsea in Dickens' Darstellung ist klar stratifiziert und wiederholt die soziale Struktur der Außenwelt.
"Damen-Geiseln" (The Collegians). Das ist der höchste Schicht. Sie belegen relativ anständige Zimmer, haben Mittel (oft von außen gesendet), können Essen und Alkohol im Gefängnis-Pub kaufen, tragen Reste einer anständigen Kleidung. Ihre Schulden sind groß, und ihre Herkunft relativ edel. Sie schaffen den Eindruck eines Clubs, indem sie Rituale des gesellschaftlichen Gemeinschaftslebens unterstützen, aber diese Illusion ruht auf einem wackligen Fundament des Elends. Der Hauptcharakter William Dorrit, "Vater Marshalsea", kultiviert seinen Status als Patriarch und "Geisel-Dame" über Jahre, was eine Form kollektiver psychologischer Verteidigung ist.
Arme Bewohner (The poor side). Das ist die Hauptmasse der Gefangenen, die in Elend, Hunger und Hoffnungslosigkeit leben. Ihre Schulden sind klein, aber sie haben keine Mittel, um sie zu bezahlen und selbst den Gefängnis-Ko ...
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