Neujahr und Weihnachten im russischen Kino: Evolution des festlichen Mythos
Die Feiertage des Neujahrs und der Weihnacht im russischen Kino sind nicht nur ein dekorativer Hintergrund, sondern ein mächtiger kultureller Code, ein semiotischer Knoten, der die Transformationen des nationalen Bewusstseins über mehr als einhundert Jahre widerspiegelt. Ihre Repräsentation hat eine komplexe Evolution durchlaufen: von den vorrevolutionären Weihnachtsgeschichten bis zur sowjetischen Weihnachtsgeschichte und zum postsowjetischen Synthese der Traditionen.
1. Vorrevolutionärer Zeitraum und Emigration: Weihnachten als spiritueller und familiärer Mittelpunkt
Im frühen russischen Kino (Filme von Alexander Drankov, Wladislaw Staritschew) und im Werk der Regisseure-Emigranten dominierte genau der Weihnachtserzählung, verwurzelt in der orthodoxen Tradition und der literarischen Klassik. Die Grundlage bildeten die Weihnachtserzählungen nach den Werken von N. Leskow, A. Tschechow, F. Dostojewski, wo das Fest zur Zeit der wunderbaren Verwandlung, des moralischen Einblicks und der Barmherzigkeit wurde («Der Junge bei Christus auf dem Baum»). Schlüsselattribute waren: die Weihnachtsstern, der Baum des Paradieses, der Motiv des Versöhnens und die Hilfe für Leidende. Diese Filme betonten die Werte der christlichen Liebe und des familiären Wärme in der Ära sozialer Unruhen. Im emigranten Kino (z.B. im Werk von Donatas Banionis) wurde Weihnachten oft zu einem nostalgischen Symbol der verlorenen Russland, ihres seelischen Stils.
2. Sowjetischer Zeitraum: Konstruktion des säkularen Neujahrsmythos
Ab Mitte der 1930er Jahre, nach der Aufhebung des Verbots der Tanne (1935), findet eine grundlegende Transformation statt: Weihnachten als religiöser Festtag wird vollständig aus dem Kinospace verdrängt, und seine Attributik (Tanne, Geschenke, Umzüge) wird semiotisch neu geladen und an den Neujahrspent里克 angeheftet. Dieser Festtag wurde als die Hauptutopie der Sowjetunion konstruiert: die Zeit des allge ...
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