Prekariat in der modernen gesellschaftlichen Stratifikation: eine neue gefährliche Formation
Prekariat (aus dem Englischen precarious — instabil, riskant) ist eine sich bildende soziale Klasse, die durch instabile Beschäftigung, das Fehlen sozialer Garantien und beruflicher Identität sowie politisch-rechtliche Verletzbarkeit gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zum traditionellen Proletariat verfügt der Prekariat über eine komplexere Struktur und eine spezifische Bewusstseinsschicht, was ihn zum Schlüsselakteur und zur Herausforderung für die moderne Stratifikation macht.
Genese und theoretische Reflexion
Die Konzeption des Prekariats wird seit Anfang der 2000er Jahre aktiv entwickelt, am umfassendsten dargestellt in den Werken des britischen Soziologen Gaya Standing («Prekariat: der neue gefährliche Klasse», 2011). Standing betrachtet das Prekariat als Ergebnis neoliberaler Reformen («globaler Transformation der Arbeitsmärkte»), die einschließen:
Die Deregulierung der Arbeitsverhältnisse (Schwächung des Schutzes vor Entlassungen).
Die Individualisierung der Arbeitsverträge.
Die aktive staatliche Förderung der Flexibilität des Arbeitsmarktes.
Das Prekariat ist nicht ein Synonym für «arme» oder «arbeitslose» Menschen. Es ist eine Klasse von Menschen, deren Arbeit systematisch instabil, ohne Garantien und Perspektiven für Wachstum ist. Es befindet sich zwischen dem traditionellen Arbeiterklasse (stabile Beschäftigung + soziale Rechte) und lumpenisierten Gruppen.
Struktur und Zusammensetzung: heterogenes Einheit
Das Prekariat ist intern heterogen, was seine Selbstidentifikation erschwert, aber gemeinsame Merkmale verbindet. Zu ihm gehören:
Arbeiter der Plattformökonomie (gig-Ökonomie): Kurier, Taxifahrer, Freelancer auf Börsen. Ihre Beschäftigung wird durch algorithmischen Management reguliert, nicht durch Arbeitsvertrag. Beispiel: Taxifahrer von Uber, dessen Einkommen von der dynamischen Preisgestaltung und dem Rating abhängt, hat kein bezahltes Krankengeld oder Urlaub.
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