Die Frage nach der Erreichbarkeit der sozialen Gerechtigkeit klingt so ewig wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Jede Generation, jeder politische System, jede philosophische Schule gibt darauf ihre Antwort. Einige behaupten, dass es sich dabei nur um eine Utopie handelt, die als Entschuldigung für Revolutionen dient. Andere meinen, dass ohne das Streben nach ihr die Gesellschaft degeneriert. Ist sie also erreichbar?Was verstehen wir unter dem Begriff «soziale Gerechtigkeit» Bevor wir über die Erreichbarkeit sprechen, müssen wir uns über die Begriffe einigen. Für einige ist soziale Gerechtigkeit das Gleichheitsgebot der Ergebnisse: Alle sollten den gleichen Einkommen, Wohnraum und Zugang zur Medizin haben. Für andere das Gleichheitsgebot der Chancen: Jeder sollte mit gleichen Chancen starten, und das Ziel hängt von den Anstrengungen ab. Es gibt auch einen dritten Ansatz: Gerechtigkeit als Minimierung von Leid. In der Realität existiert keine dieser Modelle in reinem Zustand. Sogar in den am besten entwickelten sozialdemokratischen Ländern (z.B. in Skandinavien) gibt es Einkommenslücken, es gibt Arme, es gibt Eliten. Daher der erste Schluss: Absolute, mathematisch überprüfbare Gerechtigkeit existiert nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie prinzipiell nicht erreichbar ist. Sie wird immer ein Annäherung, nicht das Endziel.Hindernisse auf dem Weg zur Gerechtigkeit Warum sind wir immer noch vom Ideal entfernt? Erstens und vor allem das Ungleichgewicht der Ausgangsbedingungen. Ein Kind, das in einer Familie mit höherer Bildung und finanziellen Reserven geboren wird, hat um ein Vielfaches mehr Chancen als sein Gleichaltriger aus einer schlechten Familie. Das ist nicht nur Glück, sondern strukturelle Ungerechtigkeit, die Generationen überdauert. Zweites Hindernis das Wirtschaftsmodell. Kapitalismus fördert die Konzentration von Kapital und damit auch von Macht. Große Konzerne beeinflussen Politik, Gesetze, Bildung. Drittens die menschliche Psychologie. Wir neigen dazu, ...
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