Warum heisst man den Heiligen Basilius im Volk «Schweinehüter»: Semiotik der Heiligkeit und der Bauernkulturelle Code
Das volkstümliche Spitzname des Heiligen Basilius des Grossen (ca. 330–379) – «Schweinehüter» – ist ein sichtbares Beispiel eines tiefen und paradoxen Phänomens: der volkstümlichen Reinterpretation des hohen kirchlichen Kultes durch die Brille der agrarischen und hauslichen Magie und der vorchristlichen Glaubensvorstellungen. Dies ist keine Herabsetzung des sakralen Status, sondern seine Inkorporation in die Textur des täglichen Lebens und der wirtschaftlichen Praktiken. Die Erklärung dieses Phänomens liegt an der Kreuzung der Hagiographie, des volkstümlichen Kalenders, der Bauernkultpraktiken und der folkloristischen Etymologie.
1. Kalendario-ökonomischer Kontext: Der Tag der Heiligen Basilius als Wendepunkt.
Der Gedenktag des hl. Basilius wird am 14. Januar (1. Januar nach dem julianischen Kalender) gefeiert. Dieses Datum im volkstümlichen Kalender der östlichen Slawen war von besonderer Bedeutung:
Ende der Weihnachtsfeier und Anfang des neuen wirtschaftlichen Zyklus: Ab dem Tag der Heiligen Basilius (dem «Schrecklichen Abend», der die «schrecklichen» Weihnachtsnächte abschließt) begann die Vorbereitung auf die Frühlingsarbeiten, einschließlich der Wiederbelebung der aktiven Schweinezucht nach dem winterlichen Stillstand.
Tag des «endgültigen» Neujahrs: Bis 1700 war dies der bürgerliche Neujahrstag. Jeder erste Tag des Jahres (wie auch des Monats) galt als «gefährliches» Zeit, das besondere Rituale zur Sicherstellung des Wohlergehens für den gesamten folgenden Zeitraum erforderte. Die Schwein, als eines der wichtigsten Tiere in der bäuerlichen Wirtschaft (Quelle von Speck, Fleisch, Bürsten), benötigte besonders den Schutz genau an diesem Tag.
Auf diese Weise sollte der heilige, whose Gedächtnis auf diesen kritisch wichtigen Tag fällt, nach volkstümlicher Logik für die Schlüsselaspekte des Wohlergehens verantwortlich sein, insbesondere – für die Vie ...
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