Heilige-Saison-Szenarien in der ausländischen Literatur und im Kino: Von gotischem Schrecken bis zum Weihnachtswunder
Einführung: Die Dichotomie der Heiligen Saison – Von heidnischem Schrecken bis zur christlichen Barmherzigkeit
Die Zeit der Heiligen Saison (von Weihnachten bis zur Taufe) in der westlichen Kultur, insbesondere in der anglophonen Tradition, hat einen einzigartigen Genre hervorgebracht – die «Weihnachts-/Heiligen-Saison-Geschichte» (Christmas ghost story). Ihr Besonderheit liegt in der tiefen Verbindung von zwei Archetypen: dem heidnischen Schrecken vor der «feinen» Welt, wenn die Grenze zwischen Lebenden und Toten dünn wird, und dem christlichen Ideal der Barmherzigkeit, der Buße und der familiären Wärme. Dieser Synthese entsteht ein mächtiger dramaturgischer Topf, in dem die persönliche Wandlung des Helden oft durch den Kontakt mit dem Jenseits geschieht.
Lyrischer Kanon: Viktorianische Geister und moralische Belehrung
Der Goldene Zeitalter des heiligen Szenarios ist das viktorianische England. Die Tradition, schreckliche Geschichten am Weihnachtsabend zu erzählen, wurde genau in dieser Zeit populär und fand ihren Niederschlag in der Zeitschrift.
Charles Dickens – «Weihnachtsgeschichte in Prosa» (1843). Dieser Text ist der Grundstein des Genres. Hier dient die heilige Mystik (vier Geister) nicht dem Schrecken, sondern der moralischen und ethischen Wandlung des Spitzbübels Ebenezer Scrooge. Dickens hat virtuos die gotische Atmosphäre (der Geist von Marley, Visionen) mit sozialer Kritik und klaren christlichen Moralien über die Notwendigkeit der Güte, Großzügigkeit und familiären Werte verbunden. Dies ist keine Geschichte über Geister, sondern eine Geschichte über die Heilung der Seele, bei der das Übernatürliche als Katalysator dient.
«Der Sturm» («The Turn of the Screw», 1898) von Henry James. Obwohl dies formell keine heilige Geschichte ist, wurde sie für eine Weihnachtsausgabe des Magazins geschrieben und fällt in diesen Rahmen. James führt den Ge ...
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